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Muscheln in den Bergen

Klettern am Riff erlaubt

Vor rund 240 Millionen Jahren gab es keine Alpen, zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent lag ein tropischer Ozean, die Tethys. An ihren Rändern sowie um die Inseln innerhalb dieses Meeres bildeten sich riesige Korallenriffe – so wie wir sie heute beispielsweise im Indischen Ozean finden. Am Riff brachen sich die Wellen, das Wasser innerhalb der geschützten Lagune blieb ruhig wie in einer Badewanne. Wir kennen das vom Strandurlaub auf den Seychellen. Kalksedimente im Wasser der Lagune sanken zu Boden und lagerten sich in Schichten ab, die niemals durcheinander gewirbelt wurden.

So ein Riff lag um den Dachstein. Als dann letztendlich die Kontinentalplatten zusammenstießen und es zur Hochfaltung der Alpen kam, wurde hier der Meeresgrund hochgepresst und übereinander geschoben, was dem Dachstein in weiten Teilen sein charakteristisches schichtförmiges Aussehen gibt. Der Geologe spricht vom gebankten Dachsteinkalk. In den Schichten findet man die Fossilien einer Muschelart, die damals sehr häufig vorkam: Megalodonten, die wegen ihrer Form auch als Kuhtrittmuscheln bezeichnet werden.

Das Riff selbst, das Bollwerk gegen die Brandung, wurde ebenfalls nach oben gedrückt, allerdings zu massigen Steinblöcken, die keinerlei Schichtung aufweisen. Sehr schön sind dafür da drinnen Reste von Korallenstöcken zu erkennen. Vor allem die oberen Bereiche der mächtigen Dachstein-Südwand, heute begehrtes Ziel für Klettersteiggeher, sowie der vielgezackte Gosaukamm sind Relikte dieses Riffs.


Artikel geschrieben von Anita Ericson
26. November 2012